Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem – sie ist eine Verletzung der Menschenrechte und geht uns alle an. Umso wichtiger ist es, dass der Landkreis Göttingen gemeinsam mit der Stadt Göttingen einen umfassenden Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention erarbeitet hat.
Die Istanbul-Konvention verpflichtet Bund, Länder und Kommunen dazu, Frauen und Mädchen wirksam vor Gewalt zu schützen, Gewalt zu verhindern und Betroffene bestmöglich zu unterstützen.
„Mit dem Aktionsplan setzen wir ein deutliches Zeichen: Gewalt gegen Frauen darf niemals hingenommen werden. Jetzt kommt es darauf an, dass aus guten Absichten konkrete Verbesserungen entstehen – für alle Frauen und Mädchen in unserer Region. Schutz vor Gewalt ist keine freiwillige Leistung, sondern eine gesellschaftliche und politische Verpflichtung“, Klaudia Hanisch, Kreistagsabgeordnete der Grünen Kreistagsfraktion
Maßnahmen für unsere Region
Der nun vorliegende Aktionsplan übersetzt diese Verpflichtung in konkrete Maßnahmen für unsere Region. Er umfasst zahlreiche Handlungsfelder – von Prävention und Aufklärung über Schutz- und Beratungsangebote bis hin zu einer besseren Vernetzung aller beteiligten Institutionen. Außerdem sollen bestehende Versorgungslücken geschlossen und die Umsetzung der Maßnahmen langfristig begleitet und ausgewertet werden.
Besonders wichtig ist dabei der ganzheitliche Ansatz: Gewalt soll nicht erst dann bekämpft werden, wenn sie bereits passiert ist. Der Aktionsplan setzt auf frühzeitige Prävention, verlässliche Hilfsstrukturen und eine enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Beratungsstellen, Polizei, Justiz, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und vielen weiteren Akteurinnen und Akteuren. Für seine Erarbeitung wurden zahlreiche Fachstellen aus Stadt und Landkreis beteiligt, deren Erfahrungen und Anregungen in den Maßnahmenkatalog eingeflossen sind.
„Der Göttinger Aktionsplan macht in diesem Kontext erstmals in Deutschland Frauen in häuslichen Beschäftigungsverhältnissen ausdrücklich als besonders vulnerable Zielgruppe sichtbar – insbesondere Live-in-Betreuerinnen und Au-pairs. Gerade sie sind aufgrund der engen Verknüpfung von Arbeits- und Wohnort, ihrer oft großen Abhängigkeit von den Arbeitgeber:innen sowie sprachlicher und sozialer Barrieren für Beratungs- und Unterstützungsangebote nur schwer erreichbar“, erklärt Klaudia Hanisch weiter.
Wir fordern konsequente Umsetzung
Als Grüne Kreistagsfraktion begrüßen wir ausdrücklich, dass dieser Aktionsplan nun vorliegt. Er ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Region, in der Betroffene schneller Hilfe finden, Gewalt konsequenter verhindert wird und bestehende Hilfsangebote weiter gestärkt werden.
Gleichzeitig ist uns wichtig: Ein Aktionsplan allein schützt noch niemanden. Entscheidend ist, dass die beschlossenen Maßnahmen nun konsequent umgesetzt, ausreichend finanziert und dauerhaft begleitet werden. Dazu gehören unter anderem starke Koordinierungsstellen, eine bessere Datengrundlage, um Bedarfe zu erkennen, sowie der kontinuierliche Ausbau der Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Unser Ziel ist klar: Jede Frau, jedes Mädchen und alle von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffenen Menschen sollen im Landkreis Göttingen auf wirksamen Schutz, schnelle Unterstützung und ein starkes Netzwerk vertrauen können. Dafür werden wir uns auch weiterhin mit Nachdruck einsetzen.