Antrag zur 39. Sitzung des Rates der Stadt Göttingen am Montag, 11. Mai 2026
Der Rat der Stadt Göttingen möge beschließen:
Die Verwaltung wird beauftragt, die Einführung einer zentralen digitalen Plattform für die mobile Nutzung (App) für Göttingen zu prüfen und hierfür ein Konzept zu erarbeiten und dem zuständigen Fachausschuss vorzulegen.
Ziel ist die Schaffung einer serviceorientierten, zentralen Anwendung, die den Zugang zu städtischen Dienstleistungen, Informationen und Angeboten bündelt und direkte Kommunikationsfunktionen für Göttinger*innen bietet.
Bei der Ausgestaltung ist sicherzustellen, dass sich die Plattform an den konkreten Bedarfen der Nutzenden orientiert. Usability (Ausrichtung an den Lebenslagen der Nutzer*innen), Barrierearmut, Datensparsamkeit, Datenschutz, IT-Sicherheit sowie digitale Souveränität sind als zentrale Leitprinzipien zu berücksichtigen.
Hierfür soll eine Kooperation mit anderen Städten und Kommunen angestrebt werden. Bestehende Lösungen sind insbesondere hinsichtlich Funktionsumfang, Anpassbarkeit, Kostenstruktur sowie langfristiger Tragfähigkeit zu prüfen und zu bewerten. Ziel ist es, vorhandene Anwendungen nachzunutzen und auf den Bedarf in Göttingen hin anzupassen (z.B. StadtLand.Funk, Smart Village, Münden App). In diesen Zusammenhang ist auch zu prüft, ob und wie lokale Plattformen (z. B. Göwasgeht) eingebunden werden können.
Das Konzept soll darüber hinaus enthalten:
- die Prüfung und Darstellung von Fördermöglichkeiten,
- Vorschläge zur organisatorischen Umsetzung sowie zur Festlegung von Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung,
- Ideen zur Einbindung von Bürger*innen sowie relevanten Akteur*innen,
- ein Vorgehen für eine schrittweise Einführung (z. B. Pilotphase) sowie die Etablierung des Angebots in allen Stadtteilen.
Begründung
Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerschaft grundlegend. Eine zentrale digitale Plattform bietet die Chance, Informationen, Serviceangebote und Beteiligungsmöglichkeiten gebündelt und niedrigschwellig zugänglich zu machen und damit die Teilhabe für alle Menschen in Göttingen zu verbessern.
Viele Angebote der Stadt sind bislang auf verschiedene Plattformen verteilt und für Bürger*innen nicht immer leicht auffindbar. Eine zentrale Anwendung schafft hier Transparenz, Orientierung und erleichtert den Zugang zu wichtigen Leistungen – unabhängig von Vorwissen, Bildungsstand oder Lebenssituation.
Im Mittelpunkt steht ein klar serviceorientierter Ansatz. Dazu gehören insbesondere der einfache Zugang zu digitalen Verwaltungsleistungen (z. B. Terminvergabe und Online-Anträge), aktuelle und verlässliche Informationen aus Verwaltung und Stadtpolitik, ein zentraler Veranstaltungskalender sowie alltagsnahe Funktionen wie ein Mängelmelder und Informationen zu Verkehr und ÖPNV. Diese Angebote erleichtern den Alltag, sparen Wege und Zeit und stärken die Selbstständigkeit der Bürger*innen.
Darüber hinaus können ergänzende Funktionen die soziale Teilhabe weiter fördern. Push-Nachrichten ermöglichen eine zeitnahe Information. Kommunikationsmöglichkeiten – etwa mit der Verwaltung oder im Quartier – stärken den Austausch und eröffnen neue Beteiligungsformen. Die Einbindung von Angeboten aus Vereinen, Initiativen und sozialen Einrichtungen macht bestehende Unterstützungsstrukturen sichtbarer und besser zugänglich.
Ein besonderer Mehrwert liegt in der Bündelung bislang verteilter Informationen: Statt verschiedener Anlaufstellen entsteht ein zentraler Zugangspunkt, der den Zugang zu städtischen Leistungen deutlich vereinfacht. Gleichzeitig ermöglicht eine städtische Plattform eine direkte und verlässliche Kommunikation ohne algorithmische Fremdsteuerung und stärkt so das Vertrauen in öffentliche Informationen.
Für eine wirksame Umsetzung sind eine niedrigschwellige, barrierearme und datenschutzkonforme Ausgestaltung entscheidend. Ebenso wichtig sind eine schrittweise Einführung, die frühzeitige Einbindung der Stadtgesellschaft bei der Konzeption und Ausgestaltung sowie gezielte Maßnahmen zur Bekanntmachung in allen Stadtteilen, um möglichst viele Menschen zu erreichen.
Die Prüfung bestehender Lösungen stellt sicher, dass eine wirtschaftliche und zügige Umsetzung erfolgen kann und vorhandene Ressourcen effizient genutzt werden.
Insgesamt kann eine solche Plattform einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Zugänge zu erleichtern, Teilhabe zu stärken und soziale Ungleichheiten beim Zugang zu Informationen und Dienstleistungen zu verringern. Sie ist damit ein zentraler Baustein für eine moderne, inklusive und bürgernahe Verwaltung.