Antrag zur 39. Sitzung des Rates der Stadt Göttingen am 11. Mai 2026
Der Rat möge beschließen:
Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, wie die Einführung eines mobilen Bürger*innenservices („Bürger*innenkoffer“) nach dem Vorbild der Stadt Frankfurt am Main für Göttingen ausgestaltet werden kann.
Durch das Angebot sollen ausgewählte Dienstleistungen des Bürgerbüros temporär vor Ort zugänglich gemacht werden (z. B. Beantragung von Personalausweisen und Reisepässen, Meldeangelegenheiten, Ausgabe von Formularen sowie Beratung). Der Bürger*innenkoffer soll insbesondere in Stadtteilen ohne Anbindung an eine Verwaltungsstelle wie Holtenser Berg und Hagenberg im Rahmen eines Pilotprojekts regelmäßig eingesetzt werden. Weitere Gebiete mit einem entsprechenden Bedarf sollen ermittelt werden. Außerdem soll die Durchführung von Hausbesuchen für stark gesundheitlich eingeschränkte Personen geprüft werden.
Im Rahmen der Prüfung soll die Verwaltung insbesondere darstellen,
- welche Dienstleistungen des Bürgerbüros mobil angeboten werden können,
- welche Zielgruppen prioritär erreicht werden sollen,
- wie ein regelmäßiger Einsatz organisiert werden kann,
- sowie welche personellen, organisatorischen und finanziellen Auswirkungen sich ergeben.
Die Verwaltung legt dem Rat ein Umsetzungskonzept inklusive Kosten-, Personal- und Zeitplanung sowie Vorschlägen zur Evaluation vor.
Begründung
Die Stadtteile Holtenser Berg und Hagenberg sind vom Stadtzentrum und von zentralen Verwaltungsstandorten vergleichsweise weit entfernt. Für viele Bürger*innen – insbesondere ältere Menschen, Personen mit eingeschränkter Gesundheit oder Mobilität oder Familien ohne eigenes Fahrzeug – ist der Zugang zu Verwaltungsleistungen mit erheblichem Aufwand verbunden.
Ein mobiler Bürger*innenservice („Bürger*innenkoffer“) ermöglicht es, grundlegende Verwaltungsleistungen direkt in den Stadtteilen anzubieten. Dabei handelt es sich um eine mobile technische Ausstattung, mit der Mitarbeitende der Verwaltung ausgewählte Dienstleistungen des Bürgerbüros außerhalb der regulären Standorte erbringen können.
Die Stadt Frankfurt am Main setzt ein solches System bereits erfolgreich ein. Dort wird der Bürger*innenkoffer unter anderem in Stadtteilen, Senioreneinrichtungen oder bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität genutzt. Das Modell hat sich als wirksames Instrument zur Verbesserung der Erreichbarkeit und Bürgernähe der Verwaltung erwiesen.
Durch regelmäßige Termine in Quartierszentren, Nachbarschaftstreffs oder anderen geeigneten Einrichtungen am Holtenser Berg und Hagenberg können Bürger*innen Verwaltungsleistungen wohnortnah in Anspruch nehmen. Dies stärkt die Teilhabe und erleichtert insbesondere den Zugang für Menschen, die bisher von bestehenden Angeboten nur eingeschränkt profitieren.
Die Einführung von Hausbesuchen in besonders schweren Fällen ermöglicht es Betroffenen, die ihre Wohnung oder sogar ihr Bett nicht verlassen können, weiterhin den Zugang zu wichtigen Funktionen wie die Verlängerung von Personalausweisen zurückzugreifen.
Darüber hinaus bietet der Einsatz eines mobilen Bürger*innenservices die Möglichkeit, Verwaltungsangebote flexibel und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln – etwa im Rahmen von Informationsveranstaltungen oder in weiteren Stadtteilen mit besonderem Bedarf.
Die Einführung eines Bürger*innenkoffers ist ein wichtiger Schritt hin zu einer bürgernahe, inklusiven und modernen Verwaltung.
Weiterführende Links:
Anwendungsbeispiele zum Bürgerkoffer der Bundesdruckerei:
- https://www.fr.de/rhein-main/wetterau/das-rathaus-kommt-nach-hause-93131252.html
- https://kommunal.de/buergerlosten-buergernahe-kommunen-modelle
Bürgerkoffer der Bundesdruckerei:
Produktblatt Bürgerkoffer der Bundesdruckerei: