Vier Felder, konkrete Projekte: Klimaanpassung, bezahlbares Wohnen, eine moderne Verwaltung und eine Stadt, in der alle mitreden
Onyeka Oshionwu hat ihr Wahlprogramm für die Oberbürgermeisterwahl am 13. September vorgelegt. Erarbeitet hat sie es in fünf öffentlichen Foren unter dem Titel „Göttingen, rede mit!“, gemeinsam mit Fachleuten aus der Stadt und zahlreichen Göttingerinnen und Göttingern. Ab dem 1. August steht es unter www.onyeka-oshionwu.de/wahlprogramm bereit, zusätzlich in mehreren Sprachen und in Einfacher Sprache.
Das Programm ordnet die Vorhaben vier Feldern zu: Mehr Zukunftsstadt, Mehr Mitmachstadt, Mehr machbar machen und Mehr Stadt für alle. Oshionwu setzt bei Alltagsthemen an und benennt, was in den kommenden acht Jahren auch bei engen Finanzen tatsächlich möglich ist. Ein Prinzip zieht sich durch: Lösungen, die anderswo bereits funktionieren, von Wien über Helsinki und Stuttgart bis Kiel und Bochum, möchte die Kandidatin nach Göttingen holen.
„Ich liebe diese Stadt – und gerade deshalb finde ich mich mit dem Stillstand der letzten Jahre nicht ab“, sagt Oshionwu. „Mein Programm ist kein Wunschzettel, sondern eine Liste von Dingen, die wir uns leisten können und die den Alltag spürbar verbessern. Es ist nicht im Hinterzimmer entstanden, sondern im Rahmen von fünf Foren gemeinsam mit den Menschen, die hier leben.“
Klima und Hitzeschutz
Mit einem kommunalen Hitzeschutzkonzept will Oshionwu für mehr Schatten, mehr Trinkwasserstellen und kühle Orte in öffentlichen Gebäuden sorgen. Dazu kommen mehr Bäume, weniger versiegelte Flächen und eine bessere Vorsorge gegen Starkregen. Im Zentrum stehen dabei die Menschen, die Hitze am stärksten trifft: ältere Menschen, kleine Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen. Beim Klimaschutz setzt die Kandidatin auf mehr Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien, gemeinsam mit der Bürgerenergiegenossenschaft. Auch ein Ausbau der Fernkälte soll geprüft werden.
Wohnen, das bezahlbar bleibt
Städtischen Wohnungsbau, Genossenschaften und gemeinschaftliche Wohnprojekte will Oshionwu nach dem Vorbild Wiens stärken. Eine neue städtische Anlaufstelle gegen Mietwucher soll Mieterinnen und Mieter beraten und dafür mit dem Mieterverein zusammenarbeiten. Der Ansatz „Housing First“, nach dem wohnungslose Menschen zuerst ein Zuhause und danach die weitere Unterstützung erhalten, soll weiter verfolgt werden.
Eine Verwaltung, die funktioniert
Oshionwu will digitale Dienstleistungen ausbauen, ohne den persönlichen Kontakt zu ersetzen, Bearbeitungszeiten verkürzen und möglichst alles an einer Stelle bündeln, statt die Menschen von Tür zu Tür zu schicken. Unternehmen und Handwerk sollen eine zentrale Anlaufstelle für schnellere und verlässlichere Genehmigungen bekommen. Mit einem zentralen Fördermittelmanagement nach dem Vorbild der Gemeinde Brüggen will sie mehr Geld von Bund, Land und EU nach Göttingen holen und Vereine bei Anträgen unterstützen. Aus Kiel übernimmt sie die Idee flexibler Teams, die dort einspringen, wo sich die Arbeit gerade staut. Dazu gehört für sie auch die Umsetzung des Radentscheids I, dem im Juni 2024 gut 54 Prozent der Abstimmenden zugestimmt haben. „Entscheidungen, die eine Mehrheit getroffen hat, setzt man um – das gilt auch für den Radentscheid“, sagt Oshionwu. „Alles andere beschädigt das Vertrauen in unsere Demokratie.“
Zur Person
Onyeka Oshionwu ist in Göttingen geboren und aufgewachsen. Seit knapp fünf Jahren ist sie ehrenamtliche Bürgermeisterin und Ratsfrau, beruflich seit über 15 Jahren bei der Lufthansa. Berufsbegleitend hat sie ihren Master of Education abgeschlossen und unterrichtet jugendliche Straftäter im offenen Vollzug. Sie ist Schöffin am Landgericht und wurde mit dem Helene-Weber-Preis ausgezeichnet. Für die Oberbürgermeisterwahl wird sie von Bündnis 90/Die Grünen, VOLT und dem Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung unterstützt.