Diskussion über Teilhabe, Sicherheit und Chancengerechtigkeit
Beim gleichstellungspolitischen Gespräch des Frauenforums Göttingen und des Gleichstellungsbüros der Stadt Göttingen diskutierten die Kandidierenden für das Amt der Oberbürgermeisterin/des Oberbürgermeisters über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Gleichstellungspolitik.
Auffällig war dabei die Zusammensetzung des Publikums: Der überwiegende Teil der Teilnehmenden waren Frauen, die auch den Großteil der Fragen stellten. „Gleichstellung ist keine Aufgabe von Frauen allein. Wir brauchen mehr Männer, die Verantwortung übernehmen und sich an diesen Debatten beteiligen“, erklärte Onyeka Oshionwu.
Im ersten Teil der Veranstaltung beantworteten die Kandidierenden Fragen zu Parität in der Verwaltung, Elternzeit und verlässlicher Kinderbetreuung, Frauen in Führungspositionen sowie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Oshionwu betonte insbesondere die Bedeutung von Prävention und Bildungsarbeit mit Jungen und Männern. Aus ihrer beruflichen Erfahrung wisse sie, wie wichtig frühe Aufklärung und die Auseinandersetzung mit Rollenbildern seien.
Auch die Sicherheit von Mädchen und jungen Frauen im öffentlichen Raum wurde thematisiert, wobei Oshionwu auf den Antrag „Göttingen sicher bei Nacht“ verwies, der bereits im letzen Jahr eingereicht wurde. Zudem diskutierten die Teilnehmenden über bestehende und zukünftige gleichstellungspolitische Maßnahmen in Göttingen.
Große Aufmerksamkeit erhielt die Frage nach einem Mahnmal für Opfer von Femiziden. Oshionwu verwies auf die entsprechende Initiative der Grünen Ratsfraktion und betonte die Bedeutung des Projekts: „Femizide sichtbar zu machen bedeutet, ein gesellschaftliches Problem sichtbar zu machen. Ein solches Mahnmal wäre ein wichtiges Zeichen für Göttingen.“
In der anschließenden Fragerunde standen soziale Teilhabe, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem Kinderarmut, Unterstützung beim Schritt in die Selbstständigkeit sowie die Frage, wie Frauen besser über bestehende Hilfs- und Beratungsangebote informiert werden können. Zur Gesundheitsversorgung verwies Oshionwu auf bestehende Versorgungslücken in einzelnen Stadtteilen und sprach sich für eine stärkere Unterstützung präventiver und sozialer Angebote aus. Als Beispiele nannte sie soziale Beratungsangebote, Gesundheitsaufklärung und wohnortnahe Anlaufstellen.
Auf die Frage nach finanziellen Prioritäten betonte sie die Bedeutung eines zentralen Fördermittelmanagements: „Wir müssen vorhandene Fördermöglichkeiten konsequenter nutzen und Verwaltungsprozesse beschleunigen. So schaffen wir Spielräume für Prävention, Beratung und soziale Infrastruktur.“
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Gleichstellungspolitik viele Lebensbereiche berührt – von Bildung und Arbeit über Gesundheit bis hin zu Sicherheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie groß das Interesse an konkreten politischen Lösungen für mehr Chancengerechtigkeit in Göttingen ist.
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Jannik Scherer | Mitglied des Stadtvorstands von Bündnis 90/Die Grünen Göttingen | E-Mail: jannik.scherer@gruene-goettingen.de | Tel.: 0171 19 44 100