Antrag zur 41. Sitzung des Rates der Stadt Göttingen am 18. September 2026
Antragstext
Der Rat der Stadt Göttingen möge beschließen:
- Die Verwaltung wird beauftragt, das Gewerbeflächenkonzept sowie die Gewerbeflächenpotenzialanalyse zu aktualisieren und fortzuschreiben. Ziel ist eine flächenpriorisierende Gewerbeflächenentwicklung nach dem Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, die sich an dem Ziel einer Netto-Null-Versiegelung orientiert. Dabei sind insbesondere die aktuellen Bedarfe und Entwicklungspotenziale bestehender Unternehmen sowie zukunftsorientierte Neuansiedlungen insbesondere des entstehenden Life-Science-Clusters, universitärer Ausgründungen und nachhaltiger und gemeinwohlorientierter Unternehmen zu berücksichtigen.
- Bereits versiegelte Gewerbeflächen, die ungenutzt sind oder in Zukunft frei werden, sind vorrangig für die wirtschaftliche Entwicklung zu aktivieren. Dazu ist ein Flächenkataster für bereits versiegelte Gewerbeflächen zeitnah zu erstellen und als strategische Grundlage der Gewerbeflächenentwicklung zu nutzen. Die Verwaltung entwickelt ihr Flächen- und Ansiedlungsmanagement weiter und prüft, an welchen Standorten Nachverdichtung sowie mehrgeschossige Gewerbebauten ermöglicht werden können.
- Aus dem Entwurf des Bebauungsplans Weende Nr. 60 „Am Dragoneranger“ ist die gewerbliche und industrielle Nutzung der Flächen herauszunehmen. Der Flächennutzungsplan ist entsprechend anzupassen und die erforderlichen Schritte zur Rückführung in ein Landschaftsschutzgebiet sind darzulegen. Die Verwaltung legt zudem ein Konzept für einen transparenten und ergebnisoffenen Büger*innenbeteiligungsprozess für die zukünftige Entwicklung des Dragonerangers vor.
- Die Verwaltung berichtet dem Bauausschuss über den Bearbeitungsstand, den Zeitplan sowie den erforderlichen Personal- und Finanzaufwand.
Begründung:
Göttingen ist ein attraktiver Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Mit dem entstehenden Life-Science-Cluster, der Universität und innovativen Unternehmen entstehen neue Flächenbedarfe. Der aktuelle Wandel in der deutschen Wirtschaft führt auch in Göttingen zu Veränderungen bei der Nutzung bestehender Gewerbeflächen.
Das Gewerbeflächenkonzept stammt aus dem Jahr 2016, die Gewerbeflächenpotenzialanalyse aus dem Jahr 2015. Beide Grundlagen müssen an die heutigen wirtschaftlichen, klima- und stadtentwicklungspolitischen Anforderungen angepasst werden. Dabei sollte der Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ konsequent verfolgt werden. Mit Blick auf die Flächengesamtbilanz muss sich dabei am Ziel einer Netto-Null-Versiegelung orientiert werden, um den Plänen des Landes Niedersachsen zur Reduzierung von Neuversiegelungen gerecht zu werden.
Ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial liegt in bereits versiegelten, derzeit ungenutzten Gewerbeflächen. Ein Flächenkataster soll zügig als strategische Grundlage erstellt werden. Ergänzend können aktives Flächenmanagement, Nachverdichtung und mehrgeschossige Gewerbebauten zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten schaffen.
Der Dragoneranger erfüllt wichtige Funktionen für Klima-, Natur- und Bodenschutz: Er ist Kaltluftentstehungs- und -leitbereich und gehört mit einer Bodenwertzahl von bis zu 96 zu den hochwertigsten Ackerböden Niedersachsens. Sein Erhalt stärkt die Klimaresilienz und Lebensqualität. Eine Bebauung wird von den Weender Bürger*innen kritisch gesehen. Eine unvoreingenommene Beteiligung ist erwünscht.
Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung und der Schutz wertvoller Freiräume sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Strategie. Der Dragoneranger soll erhalten bleiben, seine Zukunft wird in einem transparenten, ergebnisoffenen Beteiligungsprozess mit den Bürger*innen erarbeitet.