
Eine intakte Natur ist kein Luxus. Sie ist die Grundlage unseres Lebens und Überlebens. Eine intakte Natur ist Erholung, Gesundheit, Wohlbefinden und immer auch ein Stück Heimat. Je größer hierbei die biologische Vielfalt, desto besser für alle. Der vielfach unbemerkte, immer schneller voranschreitende Rückgang dieser Biodiversität bedroht jedoch unser gesamtes Ökosystem. Lebensräume und Arten verschwinden, mit dramatischen und tatsächlich existenziellen Konsequenzen für unser eigenes Leben.
Wir können und wir wollen hier gegensteuern, handeln, und eine lebenswerte Welt mit einer lebendigen und vielfältigen Natur erhalten. Dies alles gelingt durch eine vorausschauende Politik, die nachhaltige Wege konsequent einschlägt, funktionierende Ansätze stärkt, Kooperationsmodelle fördert und Interessenausgleich moderiert. Denn oft liegt die Lösung nicht nur auf der grünen Wiese, sondern mitten im Dorf, in der Stadt.
Natur schützen
Wasser ist unverzichtbare Grundlage des Lebens und steht gleichzeitig durch den Klimawandel unter enormem Druck. Der Erhalt und die qualitative Verbesserung der ortsnahen Trinkwasserschutzgebietehaben dadurch für uns oberste Priorität als unverzichtbare Ergänzung zur Versorgung durch die Harz-Talsperre.
Zugleich lehnen wir den Bau einer Siebertalsperre im Nationalpark Harz ab. Sie würde im letzten ungestauten Westharztal massiven ökologischen Schaden anrichten und zudem die Trinkwasserversorgung im westlichen Eichsfeld gefährden.
Abwasser ist zukünftiges Trinkwasser. Deshalb befürworten wir die Nachrüstung von Kläranlagen, um Mikroplastik und Reste von Medikamenten und Waschmitteln als auch Ewigkeitschemikalien aus dem Wasser zu entfernen.
Die südharzer Gipskarstlandschaft ist ein einzigartiger Lebensraum und größtes Gipskarstgebiet in Mitteleuropa. Deshalb ist für uns der Gipsfrieden unantastbar. Das bedeutet für uns keine Ausweitung der Vorranggebiete für den Gipsabbau und keine Aufweichung der Ausschlusswirkung. Das Gipskarstprojektim Südharz wird langfristig weitergeführt.
Der Flächenverbrauch im Landkreis ist – wie in ganz Niedersachsen – weiterhin zu hoch und muss reduziert werden. Der Landkreis soll zur Vorreiterregion werden und das Netto-Null-Ziel deutlich vor 2050 erreichen. Wir wollen die Entsiegelung von Flächen mit einer entsprechenden Strategie voranbringen. Vorrang sollen Innenentwicklung und Nachnutzung bestehender Gebäude und bereits genutzter Flächen haben. Eine Leerstandsdatenbank soll die Chancen und Potenziale leerstehender Gebäude sichtbar machen. Zusätzlichen Flächenverbrauch durch Neutrassierung außerörtlicher Straßenlehnen wir als nicht zielführend ab. Wir befürworten, dass die bestehende Rechtslage für Schottergärten konsequent angewendet wird.
Erschließungsbeiträge für Naturverbrauch bei Baumaßnahmen fließen konsequent in Renaturierungs- und Insektenschutzprojekte. Lokale Naturschutzverbände werden dabei durch Kofinanzierung mit Ersatzgeld unterstützt und erhalten eine höhere Direktförderung.
Der Landkreis ist Ökomodellregion. Die regionale und insbesondere die ökologische Landwirtschaft wollen wir durch spezifische Vernetzungs- und Kooperationsprogramme im Sinne einer Solidarischen Landwirtschaft fördern. So sollen Schul- und Kita-Kantinen als Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaftengemeinsam profitieren.
Der Landschaftspflegeverband bleibt als Vermittler zwischen Naturschutz und Landnutzung unverzichtbar. Pflege- und Agrarumweltmaßnahmen müssen durch langfristige Verträge abgesichert sein. Fehlend Managementpläne für Schutzgebiete werden schnellstmöglich erstellt, vorhandene regelmäßig aktualisiert.
Wir wollen die Naturparks Münden und Harz für mindestens 5 Jahre finanziell absichern und damit die Landschaftspflege und den Erhalt von Wanderwegen und Schutzhütten sicherstellen und lokal verankerte Naturpädagogik fördern. Unser Ziel ist es, den Biotopverbund weiterzuentwickeln. Andere Schutzgebiete, auch kleinflächige, sollen erhalten und – wo möglich – ausgeweitet werden. Die Naturschutzbehörde soll dabei personell aufgabengerecht aufgestellt werden.
Das Grüne Band soll – der verabschiedeten Kreistagsresolution entsprechend – als Nationales Naturmonument durch das Land Niedersachsen ausgewiesen werden, wie es Nachbarländer bereits getan haben.
Wir streben im Rahmen einer langfristig angelegten Rekommunalisierung der Abfallwirtschaft eine strategische Fokussierung an, die neben finanziellen und wirtschaftlichen Aspekten insbesondere auch Umweltschutzaspekte stärker in den Blick nimmt.
Gebiete im Landkreis mit Rüstungsaltlasten werden auf Basis rechtlich verbindlicher Bodenplanungsgebietsverordnungen zielstrebig saniert.
Anpassen an die Klimafolgen
Der Klimawandel ist kein zukünftiges Phänomen. Er passiert jetzt, vor unseren Augen. Die immer häufigeren und stärkeren Extremwetterereignisse verursachen enorme Schäden. Trockenperioden verursachen Wasserknappheit und Ernteausfälle und lassen Lebensmittelpreise steigen. Immer höhere Durchschnittstemperaturen belasten vor allem Kinder, ältere Menschen, von Krankheit oder Armut betroffene Personen. Die Anstrengungen gegen den Klimawandel allein reichen nicht mehr aus. Wir müssen uns aktiv an die Folgen anpassen.
Wir setzen uns deshalb für die konsequente Umsetzung des Maßnahmenkatalogs aus dem Klimaschutzkonzept und Klimafolgenanpassungskonzept ein.
Zunehmende Extremwetterereignisse erfordern einen umfassenden Hochwasser- als auch Dürreschutz. Zum Abfedern von Starkregenereignissen möchten wir Starkregen-Gefährdungskarten aufstellen, Retentions- und Überschwemmungsgebiete erhalten und ausbauen und Wasserflächen als natürliche Wasserpuffer renaturieren. Es braucht den Ausbau von Entwässerungsgräben für die Stärkung der Starkregenresilienz und gleichzeitig mehr Regenrückhaltebecken für eine bessere Dürreresilienz. Unser Ziel ist es, Schäden durch Überschwemmungen und Bodenerosion wie durch Trockenheit und (Trink-)Wasserknappheit zu minimieren. Dies schließt auch die Prüfung und mögliche Anpassung von Wassernutzungsrechten ein.
Wir möchten Gemeinden im Landkreis auf ihrem Weg zu mehr Klimaresilienz unterstützen und bei ihrer Umgestaltung – beispielsweise zur „Schwammstadt“ – begleiten und für mehr Grünflächen, Dachbegrünungen, Entsiegelungen und einen größeren Baumbestand für mehr Schattenwurf sorgen. Klimaschutz und Klimaanpassung ist auch immer Gesundheitsvorsorge, vor allem für vulnerable Gruppen. Deswegen befürworten wir kommunale Hitzeaktionspläne und deren Umsetzung. Wir brauchen mehr beschattete Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum und Wasserspender, um gesundheitliche Risiken bei steigenden Temperaturen zu minimieren.
Wir setzen uns für die Stärkung des Katastrophenschutzes ein und unterstützen die Ertüchtigung unserer Feuerwehren für alle Extremwetterlagen wie Stürme und Starkregen. Die Ausstattung und das Vorhalten von Netzersatzanlagen bei Stromausfällen und Wasseraufbereitungsanlagen sollen mittelfristig zur Regel werden. Zudem unterstützen wir die Prüfung eines lokalen Informations- und Warnsystems für Extremwetterereignisse.
Unsere Wälder stehen unter enormem Klimastress und müssen vorausschauend angepasst werden, um resilient zu sein gegenüber zunehmender Wasserknappheit oder Starkregen und Stürmen. Wir wollen prüfen, wie der Landkreis zur Resilienz der Wälder beitragen kann.
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2 – Natur schützen – Anpassen an die Klimafolgen [PDF zum Download]