Kunst & Kultur im Kreis

Kultur vor Ort ist gelebte Demokratie. Kultur ist Zusammenhalt, Begegnung, Austausch, Zukunftslabor, Orientierung, oftmals Schutzraum. Kultur ist nichts Exklusives, sondern sollte immer alltäglicher Bestandteil der Daseinsfürsorge sein. Dies unabhängig davon, ob auf dem Land oder in der Stadt, ob in freier Trägerschaft oder als große Institution organisiert. Die Vielfalt von Akteur*innen, Institutionen und Initiativen ist ihre immense StärkeZukunftsorientierte Kulturpolitik ist dabei immer mehr als das Bewahren von Bestehendem. Sie fördert Neues und ermöglicht Perspektivwechsel. Die Kunstfreiheit ist ein Grundrecht. Wir wenden uns ausnahmslos gegen die anlasslose Abfrage von Erkenntnissen des Verfassungsschutzes vor der Mittelvergabe an Kulturschaffende. 

Für uns ist klar: aktive Kulturpolitik ist es, kulturelle Akteur*innen in der Region auch bei knappen Kassenzu stärken. Eine vielfältige Kulturlandschaft muss besonders auch im ländlichen Raum erhalten und weiterentwickelt werden.

Künstler*innen und Kulturschaffende müssen von ihrer Arbeit leben können und fair bezahlt werden. Dafür braucht es eine auskömmliche Kulturfinanzierung. Wir finden, dass Tarifsteigerungen im Verhältnis der Mitfinanzierungsquote vom Landkreis übernommen werden sollten. Dies bedeutet für uns zugleich auch keine Kürzungen bei nicht-tariflich arbeitenden Kulturschaffenden.

Kulturschaffende und Kulturangebote brauchen Kulturräume. Diese gilt es für die vielfältigen kulturelle Aktivitäten im Landkreis zu sichern und neue Räume zu erschließen. Viele Kulturinstitutionen leiden unter maroder Infrastruktur. Wir setzen uns deshalb dafür ein, diese konsequent bei Investitionsprogrammen mitzudenken

Kultur kann Barrieren abbauen und muss zeitgleich eigene Barrieren abbauen. Wir brauchen größere Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte, für Menschen, die von Armut betroffen sind. Deren Interessensvertretungen müssen eingebunden und ihre Stimmen bei der Entwicklung von wirklich inklusiven Angeboten gehört werden. Wir wollen alle Kulturakteure auf ihrem Weg zu mehr Diversität aktiv unterstützen. 

Kulturinstitutionen lernen voneinander, erreichen unterschiedliche Zielgruppen und sind stärker, wenn sie sich zusammentun. In Zeiten knapper Kassen braucht es ein solidarisches Miteinander unter den Kulturinstitutionen, verstärkte Kooperation und Vernetzung. Deshalb möchten wir ein Programm auflegen, das explizit die Kooperation von Soloselbstständigen mit anderen Kulturinstitutionen fördert.

Das Kooperationsnetzwerk „Kultur im Kreis“ der vielen kleineren Kulturinitiativen muss weitergeführtund ausgebaut werden. Die daran geknüpfte Teilzeitstelle soll verstetigt werden. 

Kultur wird besonders im ländlichen Raum häufig von Ehrenamtlichen ermöglicht. Sie wollen wir gezieltstärken und kulturelle Vereine, kleine Museen und Kulturinitiativen und kirchenmusikalischen Angebote niedrigschwellig fördern.

Junge Menschen zwischen 16 und 27 brauchen Möglichkeiten, um ihre eigenen Vorstellungen von Kultur umsetzen und erleben zu können. Dabei ist besonders das Angebot an kostenfreien Räumen und Veranstaltungen auszubauen, z.B. für Bandprobenräume. Bei der Kulturentwicklungsplanung des Landkreises fordern wir, dass die Bedarfe junger Menschen zukünftig mehr in den Fokus genommen werden und entsprechende Initiativen gezielt gefördert werden. 

Ein besonderer Schwerpunkt soll bei allen Kulturangeboten auf Kooperationen mit dem Bildungsbereich liegen, um jungen Menschen mehr Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Wünschenswert wäre außerdem, in Anlehnung an das Kulturticket für Studierende, auch Auszubildenden mit einem Kulturpasseinen stark vergünstigten oder sogar kostenlosen Eintritt zu Kulturveranstaltungen in der Stadt und im ländlichen Raum zu ermöglichen.

Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Südniedersachsen zu intensivieren und gemeinsame Kooperationen auszubauen. Bei der Weiterentwicklung der Kulturarbeit soll künftig die Expertise des Landschaftsverbands stärker einbezogen werden, auch um die Verwaltung des Landkreises Göttingen zu entlasten. 

Musikalische Bildung darf nicht verloren gehen. Denn Musik stärkt Menschen, fördert ihre Kreativität und formt Gemeinschaften. Deshalb setzen wir uns nachdrücklich für ein neuestragfähiges Konzept für die bisherigen Angebote der Kreismusikschule ein, die im Juni 2026 geschlossen wurde. Im Fokus sollen hierbei die frühkindliche musikalische Förderung für Kindergartenkinder und Grundschüler*innen sowie bessere Strukturen auch für bislang unterversorgte Regionen im gesamten Landkreis stehen. Gleichzeitig sollen Angebote für die Förderung bildender Kunst für Kinder, Jugendliche und Interessierte unterstützt werden.

Das Höhlenerlebniszentrum in Bad Grund soll erhalten bleiben.

Wir unterstützen ausdrücklich lokale Kirchenmusik, Kultur-, Brauchtums- und Schützenvereine, die sich für ein solidarisches Miteinander, Gleichberechtigung, Diversität in einer offenen demokratischen Gesellschaft einsetzen.

Eine aktive Erinnerungskultur ist gelebte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und Geschichte und somit immer auch ein kollektives Zukunftsgedächtnis. Wir wollen bestehende und neue Initiativen tatkräftig durch eine entsprechende Förderlinie unterstützen. Die Vermittlung bestehender Angebote und die verstärkte Vernetzung der südniedersächsischen Erinnerungsorte sollen hier im Fokus stehen. Denn daskritische Reflektieren des nationalsozialistischen und kolonialen Erbes und das Auseinandersetzen mit rassistischer, antisemitischer, sexistischer und homophober Gewalt auch der jüngeren Geschichte ist elementar für die offene und demokratische Gesellschaft, wie wir sie kennen.

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