Vermeidung sozialer Härten muss oberste Priorität haben
Die Berichte über die angekündigten Räumungsklagen in der Groner Landstraße 9 geben Anlass zur Sorge. Sollte es tatsächlich zu Verfahren gegen rund 118 Mietverhältnisse kommen, hätte das erhebliche Auswirkungen auf viele Menschen und Familien in Göttingen, die bei Erfolg der Klagen ihre Wohnung verlieren würden. Die Versorgung der Betroffenen mit bedarfsgerechten Notunterkünften wird für die Kommune nicht möglich sein und dürfte zu einer immensen Überlastung der entsprechenden Systeme führen. Durch diese Lage werden zahlreiche Personen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit bedroht. Umso wichtiger sind lösungsorientierte Formate, welche die bestehenden Konflikte nach Möglichkeit entschärfen und in einem gemeinsamen Dialog tragfähige Lösungen erarbeiten sowie soziale Härten vermeiden.
Rebecca Körner, Mitglied des Stadtvorstands äußert Unverständnis ob der jetzigen Situation: „Stadtverwaltung und Stadtpolitik müssen in solchen Fällen aktiv eine koordinierende und vermittelnde Rolle einnehmen, insbesondere im Hinblick auf die prekären Wohn- und Lebenssituationen der Menschen und die zentrale Rolle, die dem Mehrheitseigentümer bei einer Verbesserung dieser Situation zukommt. Deshalb appellieren wir an die soziale Verantwortung des Mehrheitseigentümers. Die Androhung einer Zwangsräumung ist definitiv kein geeignetes Mittel, um die Lebenssituation für die Menschen zu verbessern.“
Jannik Scherer, Mitglied des Stadtvorstands ergänzt: „Bezüglich der Groner Landstraße 9 ist die prekäre Wohn- und Lebenssituation vor Ort sowohl der Stadtverwaltung als auch Investoren bereits seit Jahren bekannt. Nun droht trotz der blumigen Ankündigungen beider Seiten beim Einstieg des neuen Investors eine Verdrängung einer hohen Zahl an Bewohner*innen. Gerade wenn Entscheidungen mit so weitreichenden Folgen für viele Menschen im Raum stehen, braucht es einen engen Austausch und den ernsthaften Versuch, gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln, bevor sich die Situation weiter zuspitzt. Verwaltungsspitze und Mehrheitseigentümer hätten es nicht zu dieser Lage kommen lassen dürfen. Immerhin unterstützt die Stadt die Betroffenen bei der Inanspruchnahme rechtlicher Beratung.“
Pressekontakt:
Jannik Scherer | Mitglied des Stadtvorstands von Bündnis 90/Die Grünen Göttingen | E-Mail: jannik.scherer@gruene-goettingen.de | Tel.: 0171 19 44 100